Nervensystem beruhigen: Was wirklich hilft gegen innere Unruhe

Innere Unruhe – Symptome

Innere Unruhe ist ein Zustand von Anspannung mit vielen Gesichtern. Sie kann sich körperlich z.B. durch

  • Herzrasen
  • schnellen Atem
  • Hin- und Herlaufen
  • oder Schlafstörungen zeigen.

Auf mentaler Ebene äußert sich innere Unruhe mitunter durch

  • ständiges Grübeln
  • Gereiztheit
  • oder Nervosität.

Diese Symptome sind der Versuch unseres Nervensystems, uns vor unseren Ängsten, Sorgen und Stressoren zu schützen. Gut gemeint, aber unpassend in einer Zeit, in der wir nicht vor einem Bär weglaufen oder unser Haus vor feindlichen Rittern verteidigen müssen.

Andere Ursachen für innere Unruhe neben Stress können auch Hormone, Koffein oder Erkrankungen sein.

Liegt die Ursache in einer mentalen Anspannung, helfen häufig Entspannungstechniken, Bewegung oder auch pflanzliche Mittel wie Lavendel oder Baldrian.

Lies in folgendem Artikel, warum innere Unruhe ganz normal ist, was du direkt im Alltag tun kannst und wie du dein Nervensystem auch langfristig ausgleichst.

Warum innere Unruhe kein Zeichen von Schwäche ist

Viele Menschen kennen das Gefühl, kaum hat der Tag begonnen läuft innerlich alles zu Hochtouren auf. Mental plant man alle To-Does und Eventualitäten ein, der Körper muss mitziehen, soll aber möglichst nicht gespürt werden, sondern einfach funktionieren. Läuft dann doch nicht alles, wie geplant oder zickt der Körper, kommen Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, wird man unruhig und es schleicht sich dann vielleicht der Gedanke ein: „Warum halte ich das nicht besser aus?“

Aber Unruhe ist kein persönliches Versagen. Es ist ein urzeitlicher, biologischer Schutzmechanismus und zeigt, dass der Sympathikus – der Teil unseres Nervensystems, der für Aktivität, Wachheit und Tatendrang, Kampf und Flucht zuständig ist – gerade an seine Grenzen geht und volle 100% gibt. Warum? Weil er deine Überforderung und Unsicherheit wahrgenommen hat und helfen will.

Bei beruflichen Anforderungen wie Meetings, einem Zuviel an Reizen oder die Sorge um andere, kann ein rasendes Herz allerdings wenig helfen. Das versteht aber dein Nervensystem nicht, weshalb du mit ihm auf die Art sprechen musst, die es versteht: Atmung, Körperhaltung, Bewegung.

Beobachtungsimpuls für die nächsten 24 Stunden: Achte heute mal darauf, wann dein Sympathikus mit Zuviel Aktivität, also Unruhe, anspringt. Hast du einen Konflikt? Zu viele Aufgaben? Oder ist es abends, wenn du eigentlich endlich Ruhe hast?

Was passiert in deinem Körper bei innerer Unruhe?

Biologisch gesehen, hat der Sympathikus einfach alles aktiviert, wofür er zuständig ist: Herzschlag, Atmung, Muskeltonus. Er mobilisiert dich, macht dich wach und bereit, dich zu verteidigen. Alles, wofür er nicht zuständig ist, wird gedrosselt: Verdauung, Wundheilung etc.

Der Gegenspieler des Sympathikus heißt Parasympathikus und wird auch das Nervensystem der Ruhe und Erholung genannt. Zu ihm gehört der bekannte Vagusnerv. Ist er aktiv, bremst er die Herzfrequenz, entspannt die Atmung und hilft, dass wir wieder aus dem Tunnelblick heraus zu kommen, größer und weiter denken zu können.

Dieses Nervensystem lässt sich beeinflussen und das eröffnet Möglichkeiten, die innere Unruhe zu kontrollieren.

Beobachtungsimpuls: Lege eine Hand auf dein Brustbein oder deinen Bauch. Atme einmal langsam ein, am besten in den Bauch, und doppelt so lang aus. Wenn die Anspannung erst leicht ist, reichen drei Atemzüge, um dem Vagus einen ersten Impuls zu geben: Es ist okay, du musst es nicht übertreiben.

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Warum der Kopf allein nicht beruhigen kann

Viele versuchen Unruhe mit Gedanken zu beruhigen. Erinnerungen an die Kindheit kommen hoch. „Hab dich nicht so“ oder „Lass dich doch davon nicht stressen“, „Alle ist gut“.

Aber der Verstand ist eine höhere Etage und im Alarmmodus sind dem Nervensystem die Emotionen näher. Die rationalen Gedanken kommen da gar nicht an. Erst wenn sich die Aufregung legt, können wir wieder sinnvoll entscheiden und klar sehen.

Aus diesem Grund funktionieren körperliche Strategien oft besser als bloß positiv zu denken. Hier hilft alles, was den Körper direkt in Kontakt mit sich selbst bringt: Berührung durch Druck, Gewicht, Wärme, mit Rhythmus und auch Bewegungen. Sie können die Nachricht durchbringen: Du bist in Sicherheit.

Beobachtungsimpuls: Stell dich mit beiden Füßen bewusst auf den Boden und verlagere dein Gewicht leicht nach links, rechts, vorne, hinten. Wo stehst du stabil? Kannst du dich ausgleichen und so „verwurzeln“, dass du vollkommen stabil stehst?

Was bei innerer Unruhe hilft und warum es einfach sein darf

Manchmal suchen wir nach der großen Lösung: ein neues Zeitmanagement, der Rückzug in ein Retreat, ein kompletter Wandel und Neuanfang. Aber Entspannung braucht keine großen Ereignisse, sie mag das Unkomplizierte, Einfache. Wiederholung statt Radikalität. Freundlichkeit statt Druck.

Drei alltagsnahe Impulse, die das Nervensystem beruhigen:

1. Atemrhythmus
Unter Stress atmen wir entweder schnell, viel und hektisch ein oder wir atmen fast gar nicht. Indem du ganz bewusst diese Atmung veränderst und beruhigst, schaltest du vom Sympathikus auf den Parasympathikus um. Dafür musst du einfach nur bewusst länger ausatmen, als du einatmest.

Atme ein, so wie es sich für dich richtig anfühlt und atme jetzt länger aus. Wiederhole ein paar mal.

2. Soziale Anker
Schon 60 Sekunden echter Kontakt mit einem anderen geliebten Lebewesen (es kann auch ein Tier sein) – ein Blick, ein kurzer Austausch, eine Umarmung, ein ehrliches „Wie geht es dir?“ – aktivieren den ventralen Vagus.

Für den Menschen als soziales Wesen ist Verbundenheit eines der stärksten Beruhigungssignale. Wie diese Verbundenheit aussieht, ist für jeden Menschen verschieden. Es muss z.B. keine Berührung sein, es kann auch ein kurzes Gespräch sein.

3. Mikrobewegungen
Klar, Sport ist gesund, aber das ist hier nicht gemeint. Hier geht es um Bewegungen, die Anspannungen abbauen. Sind wir gestresst, spannt unser Nervensystem alle Muskeln für Verteidigung und Flucht an: die Schultern gehen hoch und der Nacken wird fest, um den empfindlichen Hals zu schützen, wir krümmen uns nach vorne, um unser Herz in Sicherheit zu bringen. Unser Bein beginnt zu wippen, damit wir jederzeit lossprinten können.

Mit Dehnen und Strecken löst du diese Anspannung und Körperhaltung und sagst damit deinem Nervensystem laut und klar: du musst heute nicht kämpfen, du kannst entspannen.

Beobachtungsimpuls: Strecke deine Arme ganz weit nach oben, soweit du kannst, ohne dass es wehtut. Zieh dich richtig in die Länge. Halte für ein paar Sekunden, dann lass wieder los.
Wie fühlst du dich?

Was wir aus innerer Unruhe lernen können

Unruhe ist oft ein Hinweis auf Überforderung, auf unausgesprochene Bedürfnisse, auf fehlende Pausen oder emotionale Altlasten. Vielleicht stimmt auf den ersten Blick alles, aber innerlich läuft dein Nervensystem auf hoher Frequenz, weil es weiß, da ist etwas, das gesehen werden will.

Hinter innerer Unruhe steckt in der Regel die Bitte deines Körper oder Unterbewusstseins, etwas für dich zu tun.

Wie du langfristig dein Nervensystem ausgleichst

Die Regulation des Nervensystems ist kein kurzfristiges Projekt, das man abschließt und dann ist alles gut. Sie ist eine Lebenseinstellung, eine Haltung, ein Lebensstil, den man am besten jeden Tag für sich selbst bestätigt. Nicht in jedem Moment, aber im Großen und Ganzen.

Du brauchst keine perfekten und stundenlangen Routinen, aber einen gesunden Umgang mit dir selbst, der sich in ganz kleinen Gesten zeigen kann. Es reicht, dem Nervensystem immer wieder kleine Brücken zur Entspannung zu bauen. Mal hier, mal da einfach eine Minute gönnen und tief einatmen, die Sonne oder den Kaffee genießen, dir überlegen, was war heute gut? Jedes bisschen hilft und je öfter man es macht, desto mehr dieser kleinen Gesten schleichen sich ein und werden fester Bestandteil deines Alltags.

Und irgendwann merkst du: Die innere Unruhe ist nicht verschwunden – Sorgen werden nie ganz verschwinden, Ängste gehören zum Menschsein – aber sie bestimmen dich nicht mehr.

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