In Bewegung zur Ruhe kommen
Wandern ist weit mehr als körperliche Bewegung. Für Martin Rutkowsky bedeutet es, Natur bewusst zu erleben, neue Energie zu sammeln und dabei auch sich selbst ein Stück näherzukommen. Im Interview erzählt unser Wanderexperte, was eine gute Wanderung ausmacht, warum die Gruppe eine besondere Dynamik entwickelt und weshalb man zum Einstieg vor allem eines braucht: den Mut, einfach loszugehen.
Martin, was bedeutet Wandern für dich?
Wandern bedeutet für mich Erholung und die Möglichkeit, wieder mehr zu mir selbst zu finden. Ich genieße die Natur, bin in Bewegung und komme dabei gleichzeitig zur Ruhe. Genau diese Verbindung finde ich besonders: körperlich unterwegs zu sein und zu merken, wie der Kopf nach und nach ruhiger wird.
Intensiver mit dem Wandern begonnen habe ich vor etwa zehn Jahren. Damals habe ich mich unter anderem im Taunus auf eine Watzmann-Überquerung vorbereitet. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Freude und Erholung mir das Wandern gibt. Seitdem ist es ein wichtiger Teil meines Lebens.
„Beim Wandern passiert etwas Besonderes: Der Körper kommt in Bewegung und der Kopf darf langsam zur Ruhe kommen.“Martin Rutkowsky, Wanderexperte
Was macht für dich einen guten Wanderleiter aus?
Ein guter Wanderleiter muss die Menschen sehen, die mit ihm unterwegs sind. Nicht jeder bringt die gleiche Kondition, Erfahrung oder Tagesform mit. Deshalb ist es wichtig, sowohl die körperliche als auch die psychische Situation der Teilnehmenden wahrzunehmen.
Eine Wanderung sollte so geplant und geführt werden, dass sich niemand überfordert fühlt. Dazu gehört für mich auch Flexibilität. Vielleicht muss die Strecke angepasst werden, vielleicht braucht jemand eine Pause oder möchte früher aussteigen. Entscheidend ist, Möglichkeiten zu schaffen, damit sich möglichst alle gut aufgehoben fühlen.
Worauf achtest du bei der Planung einer Wanderung besonders?
Ich versuche, die sogenannten „Wanderautobahnen“ möglichst zu vermeiden. Natürlich gehören breitere Wege manchmal dazu. Besonders schön finde ich aber schmale Pfade und Strecken, auf denen es etwas zu entdecken gibt.
Im Taunus gibt es viele solcher Orte: besondere Landschaften, spannende Naturbeobachtungen oder kleine Besonderheiten am Wegesrand. Genau diese Momente sorgen oft für ein echtes Aha-Erlebnis. Eine Wanderung bleibt für mich dann in Erinnerung, wenn unterwegs etwas Unerwartetes passiert oder man einen Ort entdeckt, an dem man sonst vielleicht vorbeigegangen wäre.


Was können Menschen beim Wandern über ihren Körper und über sich selbst lernen?
Zunächst einmal merkt man, dass Bewegung mehr sein kann als körperliche Anstrengung. Gerade am Anfang darf es auch einmal anstrengend sein. Mit der Zeit verändert sich aber häufig die Wahrnehmung.
Man wird ruhiger, nimmt die Umgebung bewusster wahr und erlebt Natur mit vielen Sinnen: die Luft, Gerüche, Geräusche, unterschiedliche Landschaften. Für mich ist das ein wichtiger Bestandteil von Erholung. Draußen unterwegs zu sein, kann dabei helfen, Abstand vom Alltag zu gewinnen und neue Energie zu sammeln.
Gibt es ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, eines ganz besonders. Bei einer Wanderung im Silvretta-Gebiet in den Alpen sind wir einem Steinbock begegnet.
Offenbar kamen wir aus einer Richtung, aus der er uns wegen des Windes zunächst nicht wahrgenommen hatte. Plötzlich saß dieses beeindruckende Tier ganz ruhig auf einem riesigen Felsen vor uns. Einen Steinbock in dieser Umgebung und aus solcher Nähe zu erleben, war ein unglaublich eindrucksvoller Moment. So etwas vergisst man nicht.
Was würdest du jemandem raten, der gerne wandern möchte, sich aber noch nicht so richtig herantraut?
Ganz einfach: langsam anfangen und dranbleiben.
Es muss am Anfang keine lange oder anspruchsvolle Tour sein. Eine überschaubare Strecke reicht völlig aus. Wichtig ist, ein Gefühl für den eigenen Körper und das eigene Tempo zu entwickeln. Mit jeder Wanderung wächst die Erfahrung – und häufig auch die Lust darauf, mehr zu entdecken.
Was ist das Besondere daran, gemeinsam in einer Gruppe zu wandern?
Ich finde es immer wieder spannend zu beobachten, was beim gemeinsamen Wandern entsteht. Die Menschen sind körperlich in Bewegung, gleichzeitig kann der Geist zur Ruhe kommen.
Gerade in unseren Fastenwandergruppen entwickeln sich oft sehr intensive Gespräche. Das Schöne ist: Jeder kann selbst entscheiden, wie viel Gemeinschaft gerade guttut. Man kann sich etwas zurückfallen lassen, ein Stück weiter vorne gehen, sich einem Gespräch anschließen oder eine Zeit lang einfach für sich sein.
Nach zwei oder drei Stunden unterwegs miteinander entstehen häufig Begegnungen und Gespräche, für die im Alltag wenig Raum bleibt. Man teilt Erlebnisse, Gedanken und Eindrücke. Genau diese Mischung aus Bewegung, Natur und Gemeinschaft macht das Wandern in der Gruppe für mich so besonders.
Über…
Martin Rutkowsky

Martin Rutkowsky studierte nach seinen Ausbildungen zum Koch und Bäcker Ökotrophologie in Münster und Deventer (NL). An der Akademie Gesundes Leben leitet Martin Rutkowsky u.a. die Aus- und Weiterbildungen Gesundheitsberater:in (IHK), Berater:in Nahrungsergänzung, und Berater:in Darmgesundheit. Ab 2027 wird er das Wander-Retreat leiten.
Das Wichtigste in Kürze:
Martin Rutkowsky ist ausgebildeter Koch und Bäcker sowie Diplom Ökotrophologie
Er ist seit 1996 als Dozent im Team der Akademie Gesundes Leben
Seit 2005 ist er als Ernährungsberater zertifiziert – aktuell beim VFED – und wird von Krankenkassen anerkannt
Martin Rutkowsky ist Redakteur des INFO-EXPRESS, einer wissenschaftlichen Literaturauswertung
Er ist NLP-Practitioner (DVNLP)
Er ist Trainer für gehirngerechtes Lernen nach Vera Birkenbihl
Autor verschiedener Fachbücher
Wanderleiter, u.a. für Fastenwanderungen im Taunus
Er lebt mit seiner Familie in Oberursel



