Scheinfasten: Wie Du mit Essen fasten kannst – Interview mit Stefanie Kehr

Was genau versteht man unter Scheinfasten?

Unter klassischem Fasten versteht man das Heilfasten oder Brühefasten. Dabei isst Du einmal am Tag eine Portion Brühe, trinkst einen Saft und nimmst Wasser, Zitrone und etwas Honig zu Dir.

Beim Scheinfasten bekommst Du dagegen eine kohlenhydratarme und proteinreduzierte Kost ohne tierisches Eiweiß – mit einer genau festgelegten Kalorienmenge für fünf Fastentage. Dazu gehört Bewegung, und insgesamt nimmst Du pro Tag etwa 600–750 Kalorien zu Dir, verteilt auf drei Mahlzeiten.

Ist Scheinfasten etwas Individuelles?

Ja, absolut. Du kannst es gut an Deine Vorlieben anpassen – also Lebensmittelgruppen und Sorten auswählen, die Du gerne isst. Es gibt viel Gemüse, das sättigt und viele Ballaststoffe liefert. Und es gibt sehr gute Literatur, nach der Du Dich orientieren kannst.

Für wen ist Scheinfasten eher geeignet – und für wen eher nicht?

Grundsätzlich ist es für die meisten Menschen geeignet. Der Unterschied liegt eher in der Begleitung. Menschen mit Vorerkrankungen haben oft den größten Effekt, was die Blutwerte betrifft – sie dürfen aber nur unter ärztlicher Betreuung Scheinfasten machen.

Wenn Du gesund bist und keine Medikamente einnimmst, sind die Effekte auf Blutwerte etwas geringer, aber der präventive Nutzen ist trotzdem sehr hoch.

Wie sieht ein typischer Scheinfasten-Tag aus?

Gut ist es, morgens mit einer Aktivierung zu starten – zum Beispiel draußen Tau treten, wenn Du eine Wiese zur Verfügung hast. Danach kannst Du Atemübungen machen und drinnen eine Trockenbürstenmassage oder Ölziehen.

Zum Frühstück gäbe es in einer Fastenwoche etwa Quinoa mit Mango und gehackten Nüssen, dazu Tee und Wasser.

Mittags kannst Du z. B. gebackene Kürbisspalten essen, mit Feldsalat und Sprossen. Danach folgt eine Ruhephase mit einem Leberwickel.
Am Nachmittag ist Bewegung sinnvoll – Spaziergänge oder Wanderungen, gern in der Gruppe.

Zum Abendessen gäbe es zum Beispiel eine Minestrone mit Tofu.

Kann man mit Scheinfasten eigentlich abnehmen?

Der Fokus beim Scheinfasten liegt ganz klar auf den metabolischen Prozessen im Körper: Zellreinigung (Autophagie), Verbesserung von Blutzucker- und Fettstoffwechsel sowie entzündungsregulierende Effekte. Es geht also um Gesundheit auf Zellebene, nicht um die Zahl auf der Waage.

Interessanterweise verändert sich bei vielen trotzdem langfristig etwas: das Essverhalten. Du entwickelst ein besseres Gefühl für Portionsgrößen, Hunger und Sättigung – und genau darüber kann sich indirekt auch das Gewicht regulieren. Aber das ist eher ein Nebeneffekt und nicht das eigentliche Ziel des Scheinfastens.

Welche gesundheitlichen Effekte sind wissenschaftlich besonders gut belegt?

Mittlerweile sehr viele. Scheinfasten wirkt positiv auf Blutdruck, Blutzucker und den Fettstoffwechsel. Die Effekte liegen bei etwa 70–80 Prozent dessen, was Du vom klassischen Heilfasten kennst – obwohl Du beim Scheinfasten deutlich mehr Nahrung zu Dir nimmst.

Worauf solltest Du achten, damit Scheinfasten sicher und wirksam ist? Gibt es Ausschlüsse?

Ja, die gibt es, und sie entsprechen denen des klassischen Fastens: Schwangerschaft und Stillzeit sind ausgeschlossen. Auch wenn Du Diabetes hast und mit Metformin oder Insulin behandelt wirst, ist Scheinfasten ohne ärztliche Begleitung nicht möglich.

Wenn Du Abnehmspritzen nimmst, solltest Du ebenfalls nicht Scheinfasten. Und psychische Erkrankungen sowie Essstörungen sind ebenfalls klare Kontraindikationen.

Wenn Du Medikamente einnimmst, solltest Du vorher ärztlich abklären, ob Scheinfasten geeignet ist.

Gibt es häufige Fehler oder Missverständnisse?

Der größte Fehler ist die fehlende Vorbereitung. Zum Scheinfasten gehört eine Entlastungsphase vorher – viele lassen sie weg. Dann ist der Effekt geringer und der Körper schlecht vorbereitet, was zu Beschwerden wie Kopfschmerzen durch Koffein- oder Zuckerentzug führen kann.

Ein weiteres Missverständnis ist, dass beim Scheinfasten „niemand Hunger hat“. Das stimmt nicht immer. Die Mahlzeiten sättigen gut, aber es gibt Menschen, die trotzdem Hunger haben – manchmal körperlich, manchmal eher mental.

Welche Rolle spielen Schlaf, Bewegung und Stress beim Scheinfasten?

Schlaf unterstützt alle positiven Effekte des Scheinfastens, besonders die Reinigungsprozesse im Gehirn (Autophagie). Je besser Du schläfst, desto stärker ist die Wirkung.

Stress begrenzt diese Prozesse deutlich – er mindert die Regeneration und die Fasteneffekte. Deshalb sollte die Fastenzeit idealerweise relativ stressfrei geplant sein.

Bewegung gehört immer dazu: Ausdauer in Deinem Tempo, Spaziergänge, Wanderungen. Wenn Du regulär Sport machst, kannst Du ihn meist weiterführen, vielleicht etwas langsamer.

Beim Schlaf kann es sein, dass Du mehr oder weniger schläfst als sonst – beides ist normal.

Hast Du ein Beispiel aus Deiner Arbeit, das zeigt, wie Scheinfasten das Wohlbefinden verändert?

Viele machen die Erfahrung, dass sie trotz Nahrung die positiven Fasteneffekte spüren. Sie entwickeln ein neues Gefühl für Portionsgrößen und entdecken neue Gerichte.

„Wir machen die Erfahrung: Wir dürfen essen – und haben trotzdem diese positiven Effekte.“
— Stefanie Kehr

Scheinfasten lässt sich meist gut in den Alltag integrieren – auch ohne Urlaubswoche.

Welche drei Tipps gibst Du jemandem, der zum ersten Mal Scheinfasten möchte?

  1. Lass Dich beim ersten Mal unbedingt begleiten – in einer Gruppe oder individuell.
  2. Nutze die Gruppendynamik, sie hilft enorm.
  3. Und ganz wichtig: Bereite Dich gut vor. Die Entlastungsphase macht das Fasten deutlich angenehmer.

Was ist der größte Mythos über Scheinfasten?

Definitiv der Mythos, dass man gar keinen Hunger hat. Das stimmt nicht zu 100 %. Wenn Hunger kommt, gibt es gute Möglichkeiten, damit umzugehen – spazieren gehen, sich ablenken oder einfach kurz abwarten, bis das Sättigungsgefühl einsetzt.

Deine Fastenwoche mit Scheinfasten

Wenn Du jetzt neugierig bist und Scheinfasten in geschützter Atmosphäre und unter professioneller Anleitung für Dich ausprobieren möchtest, dann komm zu uns. Wir bieten eine 5-tägige Scheinfastenwoche in Oberursel (bei Frankfurt am Main) an, geleitet von unserer langjährigen Fastenexpertin und Fastenleiterin Stefanie Kehr.

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Für das Scheinfasten macht es Sinn, sich einen Ernährungsplan zu erstellen, damit man in der Fastenzeit entspannt das Essen so zubereiten kann, wie es beim Scheinfasten erlaubt ist.
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