Warum „positiv denken“ das Gedankenkarussell manchmal sogar verstärkt
„Denk doch einfach positiv.“
Wer kennt diesen gut gemeinten Rat nicht?
Aber so einfach ist das nicht immer. Manchmal verstärkt dieser Versuch, überall das Positive zu sehen, sogar die Grübeleien, das Problemwälzen im Kopf. Die Gedanken werden lauter, statt leiser. In diesem Artikel liest du, warum das passieren kann und wie ein sanfterer Zug Entlastung bringt.
Warum positives Denken nicht immer hält, was es verspricht
Positives Denken legt ganz bewusst den Fokus auf das Gute, auf Lösungen und Chancen, ohne dabei die negative Situationen komplett auszublenden. Drehen sich unsere Gedanken nur um Probleme, wiederholen negative Erinnerungen wieder und wieder, scheint „Positives Denken“ doch eigentlich nach einer validen Strategie, dem Gedankenkarussell ein Ende zu bereiten, oder?
Paradoxerweise ist erzwungener Optimismus nicht unbedingt zielführend. Die Bemühung, nicht negativ zu denken, lässt uns erst recht auf die negativen Gedanken fokussieren. Es ist in etwa so, wie das Experiment, nicht an einen rosa Elefanten zu denken. Je stärker man sich das vornimmt, desto mehr denkt man an den rosa Elefanten. Es ist schwer daran zu denken, nicht an etwas zu denken.
Psychologisch ist das gut erforscht. Je mehr wir uns darauf versteifen, etwas zu ignorieren wie Ängste, Zweifel oder Ärger, desto wacher wird unser Nervensystem und achtet noch sensibler auf die dazu passenden Signale.
Wenn das Positive zur Pflicht wird
Gesellschaftlich ist Optimismus fast Pflicht geworden. In den sozialen Medien, in Ratgeberbüchern und sogar im Zwischenmenschlichen taucht der Satz ständig auf: „Du musst das nur positiv sehen!“, „Glaub an dich, dann wird alles gut. Du musst nur genug glauben.“ Das übt einen subtilen Druck auf. Die wenigsten möchten als Griesgram abgestempelt werden. Wer zweifelt, gilt schnell als zu sensibel, wer ehrlich ist als zu negativ.
Dieser gesellschaftlich erwünschte Optimismus kann dazu führen, dass Menschen sich nicht mehr ehrlich zeigen. Aber der Versuch, alles hell zu färben, löscht die negativen Gefühle nicht aus, er macht sie nur nach außen unsichtbarer – und diese unterdrückten Gedanken kommen dann raus, wenn wir sie nicht brauchen, zum Beispiel wenn wir ruhig im Bett liegen und keine sozialen Erwartungen mehr erfüllen müssen. Dann werden sie als Gedankenkarussell richtig aktiv und unüberhörbar.

Warum positive Mantras das Gegenteil auslösen können
Viele Menschen versuchen, sich im Stress Mut zuzusprechen, wie: „Ich schaffe das“, „Alles wird gut“, „Positives zieht Positives an, also darf ich nicht zweifeln“. Das Problem: Wenn wir nicht wirklich an diese Sätze glauben, weil sie uns zu unrealistisch und zu entfernt von unserer momentanen Realität vorkommen, spürt der Körper die Diskrepanz. Wir können uns nicht gut selbst anlügen.
Neurobiologisch fühlen sich solche Affirmationen dann wie ein Widerspruch an und das erzeugt Spannungen. Und wenn es denn dann trotz der guten Zusprüche nicht klappt, versucht unser Unterbewusstsein Antworten darauf zu finden, warum der Optimismus nicht wie versprochen alles gelöst hat. Ein Gedankenkarussell bahnt sich an: „Warum klappt das bei mir nicht? Was stimmt mit mir nicht? Ich habe doch alles richtig gemacht, warum bin ich nicht genug?“
In Wirklichkeit stimmt alles – nur der Satz passt nicht. Affirmationen können uns bestärken, aber sie müssen realistisch sein, wie „Gerade ist es viel, aber ich tue, was ich kann.“
Ehrlichkeit statt Optimierungsdruck
Unsere Gedanken werden ruhiger, wenn wir nicht erzwungen positiv statt negativ denken, sondern freundlicher mit der Situation umgehen, die da ist. Nicht unrealistisch positiv, nicht unrealistisch negativ, sondern so realistisch wie möglich. Wir wissen in der Regel, was möglich ist. Das zu akzeptieren kann befreiend sein und unseren Kopf leiser werden lassen.
Ist positives Denken jetzt schlecht?
Nein, positiv denken hat absolut seinen Platz, nur nicht als Pflicht, sondern als ehrliche Empfindung. Und es ist auch nie verkehrt, sich einen extra Moment zu nehmen und zu schauen, ob eine herausfordernde Situation nicht doch auch eine positive Seite hat. Aber wenn wir sie nicht sehen, sie nicht fühlen, dann sollten wir sie uns nicht einreden.
Ein Gedankenkarussell ergibt sich aus ungelösten Problemen und Konflikten (auch Konflikten gegenüber uns selbst). Wenn wir diesen inneren Stimmen einen Raum geben und sie nicht immer unterdrücken, dann laufen sie nicht irgendwann unkontrolliert über, wo wir Schwierigkeiten haben, sie wieder einzufangen.
Ruhe entsteht nicht im Optimismus, sondern in der Akzeptanz. Akzeptanz uns selbst gegenüber und Akzeptanz der Dinge, die wir nicht ändern können.
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