Die Zielgruppe finden als Gesundheitsberater:in
Der Erfolg einer selbstständigen Gesundheitsberatung steht und fällt mit dem tiefen Verständnis für die Menschen, die man begleiten möchte. Viele Gründer neigen zu Beginn dazu, ihr Angebot so allgemein wie möglich zu halten, um niemanden auszuschließen. Doch in der Praxis zeigt sich: Wer jeden ansprechen will, erreicht am Ende oft niemanden richtig, da man für kein Anliegen als Experte wahrgenommen wird, sondern „nur“ als Allrounder, der alles ein bisschen bedienen kann (Chernev, A., 2007). Die gezielte Definition Deiner Zielgruppe ist daher kein Verzichten, sondern der Grundstein für Deine erfolgreiche Kommunikation und Praxis.
Erst wenn Du genau weißt, wen Du beraten möchtest, kannst Du Deine Angebote maßschneidern, Deine Texte passend formulieren und Deine Sichtbarkeit dort aufbauen, wo diese Menschen nach Präventionslösungen suchen. Das Finden Deiner Zielgruppe im Gesundheitswesen unterscheidet sich jedoch fundamental vom klassischen Business-Coaching: Es erfordert neben Empathie und einer realistischen Marktanalyse auch eine strikte Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen.
Inhalte im Überblick
Wen möchte ich beraten?
Die Frage nach der idealen Zielgruppe beginnt mit einer Selbstreflexion. Frage Dich: Mit welchen Menschen arbeite ich am liebsten zusammen, für welche Themen brenne ich am stärksten? Sind es junge Mütter, die Balance suchen, Berufstätige unter Dauerstress oder Menschen der Generation 50+, die aktiv und vital altern möchten? Deine eigene Begeisterung und Dein Einfühlungsvermögen sind wichtige Hinweise, da sie maßgeblich zur Qualität Deiner Beratungen beitragen.
Betrachte zudem Deine eigenen Kernkompetenzen und Deinen Lebenslauf. Als Dozentin in der Ausbildung Gesundheitsberater:in (IHK) erlebe ich immer wieder, dass die authentischste Positionierung in der eigenen Biografie liegt. Wenn Du beispielsweise jahrelang im Schichtdienst gearbeitet hast, kennst Du die circadianen Rhythmusstörungen (Schlafprobleme) dieser Zielgruppe aus eigener Erfahrung. Dieses Insiderwissen hilft Dir, eine tiefere, vertrauensvolle Verbindung aufzubauen, als es reines Lehrbuchwissen je könnte.
Welche Zielgruppen sind attraktiv?
Aus unternehmerischer Sicht sind Zielgruppen besonders attraktiv, die ein hohes persönliches Interesse an ihrer Gesundheit mitbringen, bereit für Veränderungen sind und präventiv etwas für sich tun wollen oder unterstützend zu einer therapeutischen Behandlung ihren Lebensstil ändern wollen. Themen wie Prävention von Zivilisationskrankheiten, gesundes Altern (Longevity) oder die Steigerung der mentalen Widerstandskraft in krisenhaften Zeiten sind nach dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) gesellschaftlich hochrelevant und sichern eine dauerhafte Nachfrage.
Ein hohes Potenzial bieten Menschen in Umbruchphasen:
- Berufliche Wiedereingliederung oder Karriereaufstieg (hohes Stresslevel)
- Der Übergang in den Ruhestand (Neustrukturierung des Alltags und der Vitalität)
- Junge Eltern (Fokus auf Familiengesundheit und Ernährung)
Attraktiv sind jene Gruppen, bei denen Du durch eine fundierte, strukturierte Beratung einen messbaren Unterschied im Alltag bewirken kannst.
Welche Probleme haben Klienten?
Um Deine Zielgruppe gut zu verstehen, musst Du ihre alltäglichen Sorgen, Hürden und Wünsche kennen. Die Probleme von Klienten im Gesundheitsbereich sind selten rein theoretischer Natur. Es geht meist um ganz konkrete Einschränkungen: die ständige Müdigkeit am Nachmittag, die Unsicherheit im Dschungel der Ernährungstrends oder das Gefühl, ausgebrannt zu sein und keine Zeit für sich selbst zu finden.
Nimm Dir Zeit für eine kleine Marktanalyse. Lies in Foren, sprich mit Menschen aus Deinem Umfeld oder nutze Umfragen, um herauszufinden, welche Kaufmotive und Sehnsüchte Deine Zielgruppe bewegen. Menschen suchen selten nach einer „ganzheitlichen Methodik“, sondern nach einer Lösung für ihr konkretes Problem: „Wie schlafe ich trotz Stress wieder durch?“ oder „Wie koche ich gesund in nur 15 Minuten?“. Je präziser Du die Probleme Deiner potenziellen Klienten beschreiben kannst, desto eher werden sie Dein Angebot als hilfreich wahrnehmen.
Rechtlicher Fallstrick für Gesundheitsberater: Als Gesundheitsberater:in kannst Du ausschließlich im Bereich der Primärprävention (nach § 20 SGB V) und Gesundheitsförderung arbeiten. Du darfst rechtlich keine Krankheiten behandeln. Das hat starke Auswirkungen auf Deine Zielgruppendefinition. Du darfst Deine Zielgruppe nicht über medizinische Diagnosen definieren (z. B. „Ich helfe Menschen mit Depressionen, Diabetes oder chronischer Insomnie“). Dies ist nach dem Heilpraktikergesetz nur Ärztinnen und Heilpraktikern vorbehalten. Definiere Deine Zielgruppe stattdessen über Befindlichkeiten, Lebenslagen und Präventionsziele (z. B. „Manager mit Schlafoptimierungsbedarf“ oder „Frauen in den Wechseljahren, die ihre Ernährung umstellen wollen“).
Welche Zielgruppen zahlen?
Ein tragfähiges Business braucht Klienten, die den Wert Deiner Dienstleistung erkennen und auch bereit sind, ein angemessenes Honorar dafür zu zahlen. Da reine Gesundheitsberatung (ohne Grundberuf und Anerkennung durch die Krankenkassen) eine Selbstzahlerleistung ist, musst Du Zielgruppen wählen, die über das entsprechende Budget verfügen und Gesundheit als Investition begreifen.
Erfahrungsgemäß investieren Menschen gerne dann in eine Gesundheitsberatung, wenn sie den direkten Nutzen für ihre Lebensqualität sehen – sei es mehr Energie für die Familie, Schmerzfreiheit oder der Erhalt der Arbeitskraft. Kommuniziere den Nutzen Deiner Beratung daher immer ergebnisorientiert.
Berufstätige, Selbstständige oder gesundheitsbewusste Best-Ager verfügen statistisch über die höchsten finanziellen Mittel und betrachten die Beratung als sinnvolle Investition in ihre Zukunft und Langlebigkeit. Dabei ist es wichtig, den Wert Deiner Arbeit stets selbstbewusst zu kommunizieren. So kann die Zahlungsbereitschaft der Klienten mit der Qualität Deines Angebots korrespondieren.
Wo finde ich diese Menschen?
Wenn Du Deine Zielgruppe definiert hast, gilt es herauszufinden, wo sich diese Menschen im Alltag und im digitalen Raum aufhalten. Erstelle dafür gerne sogenannte Personas, das sind fiktive Profile Deiner idealen Klienten, um ihre Wege nachzuvollziehen. Gehen sie in bestimmte Fitnessstudios, lesen sie Fachmagazine, oder nutzen sie vor allem Plattformen wie LinkedIn oder Instagram?
Auf Basis dieser Erkenntnisse baust Du Deine Sichtbarkeit auf. Wenn Deine Zielgruppe vor allem gestresste Manager sind, machen Netzwerkveranstaltungen oder Artikel auf Business-Plattformen Sinn. Suchst Du eher den Kontakt zu jungen Familien, können Kooperationen mit Kitas oder Hebammenpraxen der direkte Weg sein. Gehe dorthin, wo die Menschen bereits sind, und lade sie ein, Dich kennenzulernen.
Deine Zielgruppe zu finden ist ein lohnender Prozess, der Deiner gesamten Arbeit Tiefe und Richtung verleiht. Wenn Du die Bedürfnisse Deiner Wunschklienten kennst und verstehst, wird Deine Beratung zu einem passgenauen Schlüssel, der Türen zu einem gesünderen und glücklicheren Leben öffnet.
Die Autorin
Dr. Heidi Braunewell

„Ich bin Dozentin geworden, weil ich mein Wissen nicht nur für mich behalten wollte. Es macht mir einfach Freude, wenn ich andere auf ihrem Weg begleiten kann. Und dabei all das nutzen, was ich in meiner Naturheilpraxis und im Leben gelernt habe.“
Das Wichtigste in Kürze:
- Dr. Heidi Braunewell promovierte über Arzneipflanzen.
- Ihr Herzensthema ist die Naturheilkunde und die ganzheitlichen Gesundheit.
- Sie ist ausgebildete Heilpraktikerin.
- Dr. Heidi Braunewell ist Phytotherapeutin (GPT) und Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Phytotherapie.
- Als Buchautorin ist sie in verschiedenen Fernsehsendungen und Rundfunkinterviews als Expertin gefragt.
- Funfact: Sie ist Weltmeisterin und Weltrekordhalterin im Sport Stacking.
- Dr. Braunewell arbeitet seit 1994 an der Akademie.
- Sie lebt mit ihrer Familie in Butzbach.